Das Tor zu Dänemark

Flensburg ist schön. Die Stadt hat eine angenehme Größe, eine schicke Einkaufspassage, einen wunderschönen Hafen und nicht zuletzt genügend Sehenswürdigkeiten, um hier ein verlängertes Wochenende zu verbringen. Trotzdem habe ich noch nie gehört, dass jemand hier aktiv Urlaub gemacht hätte. Klar, man ist mal durchgekommen, als man mit der ganzen Familie nach Dänemark wollte. Aber nach Flensburg gehen, um auch in Flensburg zu bleiben? Eher selten. Flensburg liegt knapp zehn Kilometer vor der dänischen Grenze und ist somit die letzte größere Stadt in Deutschland. Nicht zu Unrecht das Tor zu Dänemark genannt, ist es mit knapp 86.000 Einwohnern im Vergleich zu Kiel oder Hamburg zwar klein, aber meiner Meinung nach ein nicht außer Acht zu lassender Urlaubsort.

Ich komme zwar erst am Abend an in der Innenstadt an, aber ich bin sofort begeistert, als ich die lange Einkaufsstraße entlangeile. Ich darf die nächsten zwei Tage auf dem Sofa von Katja übernachten, und ich will sie nicht noch länger warten lassen. Völlig verschwitzt stehe ich schließlich vor ihr (wie der Zufall es so will hat sie natürlich auch noch eine Wohnung im obersten Stock). Da sie diesen Anblick aber anscheinend schon gewohnt ist, winkt sie mich einfach nur herein und drückt mir ein Glas Wasser in die Hand. Ich mag sie sofort.

Beim Abendessen unterhalten wir uns über Gott und die Welt, das Reisen an sich und gebrochene Herzen. Es ist schön, sich mit jemandem so offen unterhalten zu können wie mit Katja, weshalb wir beschließen unser Gespräch bei einem Spaziergang fortzusetzen. Zuerst laufen wir zum alten Friedhof, der in der Dämmerung einer anderen Welt gleicht. Hohe Eichen säumen die ausgetretenen Wege, und Trauerweiden bilden mit ihren Kronen Kathedralen, in denen verwitterte Grabsteine ihre ganz eigenen Geschichten erzählen. Danach machen wir uns auf den Weg an den Hafen, der nicht weit entfernt liegt. Inzwischen kann man am Himmel schon die ersten Sterne erkennen, und vor uns erstrahlt die kleine Bucht durch die Laternen. Es ist gerade noch warm genug, um ohne Jacke draußen zu sein. Wir schlendern am Hafen entlang und reden darüber, was wir in Zukunft noch alles sehen wollen. Aber so außergewöhnlich und sehenswert die Orte in unseren Beschreibungen auch sind, in Gedanken bin ich ganz froh, gerade in Flensburg zu sein.

Den nächsten Tag verbringe ich mit Sightseeing. Es gibt hier einige schöne und auch überraschende Ecken. Ich bin zum Beispiel sehr überrascht, als ich in einer Straße vorbeikomme, in der Seile mit hunderten von Schuhen daran quer zwischen den Häusern gespannt sind. Später erklärt Katja mir, dass es mehrere Geschichten dazu gibt, ihre Liebste sei aber folgende: Wenn die Studenten in Flensburg ihre Abschlussprüfungen haben, kommen sie hier her und werfen ein Paar Schuhe über eines der Seile. Wenn es oben hängen bleibt, besteht man die Prüfung auf jeden Fall, wenn nicht… sollte man besser ein zweites Mal werfen.

Am nächsten Tag mache ich mich leider schon zu Fuß auf den Weg zur dänischen Grenze. Letztendlich bin auch ich nur auf der Durchreise gewesen. Trotzdem will ich irgendwann wieder hierherkommen, und zwar nicht nur um Katja wieder zu besuchen. Denn auch wenn man es nicht erwartet, Flensburg ist mehr als nur der Hüter unserer Punkte.

2 Antworten auf “Das Tor zu Dänemark”

  1. Ein guter Bericht über Flensburg. Also es ist eine Reis wert. Es ist gut das es solche gibt wie dich, die solche Berichte schreiben. Nur weiter so. A&M

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