Zeig mir die Zukunft

Alles beginnt mit einer Idee und dem Mut, sie umzusetzen. Jede große Erfindung, jede Errungenschaft der Menschheit, jede Veränderung im Lauf der Geschichte, sogar diese Reise hier haben alle denselben Ursprung. Die Menschen haben schon immer dazu geneigt, sich nicht mit dem gegebenen abzufinden, sondern sich weiterzuentwickeln, zu verbessern und optimieren, zu formen und zu gestalten. Wir sprechen die richtigen Worte und erschaffen so nie dagewesenes. Manchmal sind diese Entwicklungen weltverändernd, aber nicht immer. Manchmal sind es die kleinen Dinge, die den Unterschied machen.

In Aarhus besuche ich das berühmte DOKK1, das 2015 eröffnet wurde. Das Gebäude ist nicht nur Bibliothek und Bürgerzentrum in einem, sondern ist im Moment eines der modernsten Multimediahäuser weltweit. Im Gegensatz zu vielen anderen Bibliotheken werden hier nicht nur Bücher zur Verfügung gestellt, sondern auch der Umgang mit Technologie und anderen Medien in den Vordergrund gerückt. Zudem gibt es einen großen Mehrzwecksaal für Konzerte, Vorträge und Bürgerversammlungen, ein gemütliches Café zum Entspannen und etwas, das in deutschen Bibliotheken leider oft Mangelware ist: genügend Arbeitsplätze. Doch DOKK1 ist keinesfalls ein Einzelfall: Egal, welche Bibliothek ich in Dänemark besuche, sie alle bieten so viel mehr als einfach nur Bücher. Besonders empfehlenswert halte ich in Aarhus die Königliche Bibliothek auf dem Universitätsgelände. Hier wird nicht nur Wissen für alle Studiengänge vermittelt, sondern den Studenten auch Raum gelassen, um sich vom Stress zu erholen und an eigenen Projekten zu arbeiten.

Etwas außerhalb von Aarhus liegt das Moesgaard Museum. Ich denke, ich kann ohne zu übertreiben sagen, dass es eines der besten Museen ist, die ich je besucht habe. Hier werden nicht einfach nur Ausstellungsstücken in staubigen Regalen gezeigt, wie man es aus jedem durchschnittlichen Heimatmuseum kennt. Hier wird man durch anschauliche Aufbereitung der Themen und interaktives Storytelling direkt in die Geschichte hineingezogen. Und das Beste: es funktioniert. Egal ob man am Lagerfeuer sitzt und sich die Geschichte von Dschingis Khan erzählen lässt, mit einer VR-Brille das Leben von Steinzeitbauern nachempfindet oder am Dia de los Muertos in Mexico teilnimmt, überall lernt man etwas Neues. Kinder und Erwachsene laufen mit demselben Leuchten in den Augen durch die verschiedenen Ausstellungen und ich habe das Gefühl, hier Teil von etwas Besonderem zu sein.

Mitten in Aarhus findet man eine weitere besondere Form von Museum: „Den Gamle By“, zu deutsch „die alte Stadt“. Was auf den ersten Blick wie ein normales Freiluftmuseum aussieht, entpuppt sich bald als wahre Zeitreise. Man spaziert vom Ende des 16. Jahrhunderts bis in die 70er und begegnet dabei Schaustellern, die historische Zeiten zum Leben erwecken. Ich kaufe Kekse in einer Bäckerei aus dem 18. Jahrhundert, lasse mich in einem Elektronikgeschäft in den 70ern über die Anschaffung eines Röhrenfernsehers beraten und diskutiere in im Jahr 1924 bei einer Tasse Kaffee mit einer jungen Frau und ihrem sturen Schwager über die Rolle der Frau in unserer Gesellschaft. Noch besser durch die Zeit reisen geht wohl nur mit der TARDIS.

Ganz in der Nähe befindet sich der Botanische Garten von Aarhus. Selbst hier hat man es geschafft, Wissen mithilfe von interaktiven Stationen und Storytelling geschickt zu vermitteln. Neben hunderten von Pflanzenarten aus aller Welt kann man hier zum Beispiel verschiedene Lebensmittel an großen Bildschirmen einscannen und sich ihre Herstellung anschauen. Wusstet ihr, dass Zimtstangen aus der getrockneten Rinde des Zimt-Baumes hergestellt wird? Außerdem bieten die Gewächshäuser eine willkommene Atempause vom Städtetrip durch Aarhus. Ein kleiner Tipp: wenn man geduldig genug ist, setzten sich die Schmetterlinge im Haupthaus einem sogar auf den Arm.

Egal wohin ich in Aarhus gehe, ich habe das Gefühl, an etwas wirklich Wichtigem teilzuhaben. Auf den ersten Blick scheint es vielleicht nicht so, aber das hier ist meiner Meinung nach ein Schritt in die Zukunft. Wir verabschieden uns von herkömmlichen Methoden und beginnen, Wissen modern und interaktiv zu vermitteln, für jeden individuell. Neue Technologien werden in den Prozess eingebunden und schon den Kleinsten nähergebracht, weil sie unsere Zukunft sind. Und auch wenn all das nicht wirklich weltbewegend scheint, manchmal sind es die kleinen Dinge, die den Unterschied machen.

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