Sozialer Kater

Ich habe das, was mein Freund einen „Sozialen Kater“ nennt.

Gerade wenn man viel unterwegs ist kann es passieren, dass man nicht genug auf sich selbst hört. Während man von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten stürzt und ständig mit neuen Leuten in Kontakt kommt, vergisst man schnell, auch etwas Zeit für sich selbst zu lassen. Inzwischen habe ich ein ganz gutes Gespür dafür entwickelt, wann dieser Moment bei mir eintritt. Deshalb suche ich mir in Helsingborg zum ersten Mal seit Beginn meiner Reise ein Zimmer in einem Hostel.

Ich habe Glück und erwische ein günstiges Einzelzimmer, in dem ich mich für zwei Nächte einmiete. Ich bin mir sicher, in einer wunderschönen Stadt an der Küste zu sein, aber im Moment ist mir das egal. Ich lese, schreibe meine Skripte in richtige Blogbeiträge um, ordne meine Fotografien und hole vor allem eine Menge Schlaf nach. Es kommt mir so vor, als hätte ich schon seit Ewigkeiten keine Ruhe mehr gehabt.

Versteht mich nicht falsch, unterwegs zu sein ist wahnsinnig schön. Ich erlebe so viel, lerne Neues und treffe nette Menschen aus aller Welt. Aber gerade auf Langzeitreisen ist es wichtig, sich selbst kleine Pausen zu gönnen. Da ich keinen festen Plan habe, kann ich mich spontan in einer Stadt irgendwo einmieten und ein paar Tage nichts tun. Wenn ich Kurztrips mache, plane ich meist jeden Tag mindestens eine Stunde nur für mich ein. Es ist kein Witz wenn ich sage, eine meiner schönsten Erinnerungen an Paris ist, wie ich einfach nur an der Seine sitze und lese.

Auch bevor ich diese Reise hier angetreten habe war mir klar, dass ich hin und wieder an einem Ort bleiben muss, nur um Kraft zu tanken. Ein wesentlicher Bestandteil dieser Unternehmung ist, dass ich praktisch permanent von anderen Menschen und ihrer Hilfsbereitschaft abhängig bin. Jeden Tag muss ich mich um die Basis kümmern: ein Dach über dem Kopf, etwas zu essen und zu trinken, Hygiene. Bisher hat mein Plan wunderbar funktioniert und ich möchte an dieser Stelle noch einmal allen danken, die mich bis hierher unterstützt haben. Aber wenn man jeden Tag mit neuen Personen konfrontiert wird und sich ständig an eine neue Umgebung gewöhnen muss, kann einen das schnell auslaugen. Deshalb mein Tipp: legt etwas Geld zur Seite, um euch im Notfall ein Hotelzimmer leisten zu können. Auf einer Reise geht es nicht nur ums erleben, sondern auch darum, selbst zur Ruhe zu kommen. Man sollte keinen Urlaub vom Urlaub brauchen.

Ich habe für heute jedenfalls nichts mehr vor. Vielleicht gehe ich abends noch spazieren, aber wenn, dann nur mit Kopfhörern. Noch einmal tief durchatmen und einfach nichts tun. Ein. Aus. Ruhe.

  1. Es ist so , man soll sich richtig einschätzen. Nur so lernt man sich kennen und sich einzuschätzen. Das ist wichtig fürs ganze leben. Man muß auch lernen das man die Sehle einfach mal baummeln lassen muß.

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