Äpfel, Äpfel, nichts als Äpfel

Ein wenig Schlucken muss ich doch, als ich vorne in der Schaufel des Traktors sitze. Halb kniend halte ich mich an dem kalten Metall fest, während Lars mich mit dem Traktor immer weiter nach oben hebt. Es dauert nicht lange und ich bin umgeben von Blättern, Ästen und vor allem jeder Menge Äpfel. Letztere sind auch der Grund, warum ich hier mehrere Meter über dem Boden in den Bäumen hänge, denn heute ist Apfelernte angesagt.

Desto länger ich in der Traktorschaufel stehe, desto sicherer werde ich. Schon nach kurzer Zeit beschwert sich Lars, ich solle ihn einfach anweisen die Schaufel zu bewegen anstatt mich so weit rauszubeugen. Aber mein Ehrgeiz ist gepackt und ich versuche, bis in den letzten Winkel alle Äpfel zu erwischen. Letztendlich sammeln wir tatsächlich sechs Kisten voller frischer Früchte, die wir den Vögen noch im letzten Moment wegnehmen konnten.

Die große Frage: Was macht man mit so vielen Äpfeln? Natürlich jede Menge Apfelsaft! Ich zerschneide sie, Lars presst mithilfe der Apfelsaftpresse den Saft aus ihnen. Es dauert nicht lange und es wird ein Wettbewerb daraus, wer schneller seine Aufgabe erfüllt. Für meinen Geschmack höre ich an diesem Abend viel zu oft ein provozierendes „Out of apples!“ aus seiner Richtung. Natürlich schaffe ich es auch recht schnell, mit mir dem Messer ordentlich in den Finger zu schneiden, was mich allerdings nicht vom Weitermachen abhält. Und der Apfelsaft schmeckt auch gleich viel besser, wenn man dafür Schweiß und Blut vergossen hat.

Eine Kiste Äpfel lassen wir übrig, denn daraus wird gleich der weltbeste Apfelkuchen gemacht. Während Lars gefühlt eine halbe Tonne Teig anrührt schneide ich die Früchte in Spalten. Auf die Frage, wie viele Äpfel ich zuschneiden soll, macht Lars nur ein verständnisloses Gesicht: „Es ist Apfelkuchen, da sollten Äpfel der Hauptbestandteil sein!“. Und er hat Recht: als wir den ersten Kuchen frisch aus dem Ofen probieren, verliebe ich mich sofort hoffnungslos in den zimtig-warmen Geschmack der Äpfel. Ohne zu übertreiben kann ich sagen, dass das der Beste Apfelkuchen meines Lebens war. Ein Gebäck wie Heimkommen.

Am Ende sind immer noch eine Handvoll Äpfel da, und diese werden ganz einfach zu Apfelmus verarbeitet. Für den richtigen Geschmack gibt Lars noch Zimtstangen und etwas Anis hinzu, aber gegen eines wehre ich mich: Lakritz. Hier in Skandinavien ist jeder ganz versessen auf die schwarze Süßigkeit. Ich persönlich finde, Lakritz schmeckt wie alte Autoreifen. Nachdem ich erfolgreich dessen Zugabe verhindert habe, probieren wir das fertige Apfelmus. Noch warm schmeckt es am Besten, leicht süß und durch den Zimt fast schon weihnachtlich. Ich muss automatisch lächeln.

Letztendlich sind aus unserer Ernte mehrere Liter Apfelsaft, 24 Apfelkuchen und drei Gläser Apfelmus geworden. Etwas selbst herzustellen fühlt sich wahnsinnig gut an, aber es war auch sehr anstrengend. Aber egal wie lange wir an all dem gearbeitet haben, sobald ich am Ende des Tages in ein Stück Kuchen beiße, vergesse ich für einen kurzen Moment alles andere.

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