Basic Chainsaw Skills

Ich muss zugeben, ich fühle mich ziemlich cool, wenn ich in voller Montur und mit Kettensäge in der Hand durch die Gegend laufe. Als Lars mir kurz nach meiner Ankunft von allen Aufgaben erzählte, die wir in den nächsten Wochen gemeinsam abarbeiten würden, hat er natürlich auch von der Arbeit im Wald gesprochen. Das ich aber auch bald schon selbst mit schwerem Gerät hantieren würde, habe ich ihm damals aber nicht so wirklich geglaubt. Umso besser fühlt es sich jetzt an, diese neue – und supercoole – Fähigkeit zu erlernen.

Natürlich hat mir Lars nicht einfach das Gerät in die Hand gedrückt, mich zum nächstbesten Baum geschickt und drauflos sägen lassen. Bevor ich auch nur eine richtige Kettensäge anfassen darf, werde ich von ihm ordnungsgemäß eingewiesen. Wie man sich denken kann, sind das Wichtigste beim Umgang mit solchen Maschinen die Vorsichtsmaßnahmen. Ich muss einen Helm mit Gesichts-, Nacken- und Gehörschutz tragen, außerdem noch eine Kettensägenhose der Stufe 3. Festes Schuhwerk, eine Jacke und Handschuhe sind natürlich auch unabdingbar. Aber auch an der Kettensäge selbst gibt es ausreichend Unfallschutz. Sollte sie zum Beispiel während des Betriebs nach oben ausbrechen, wird die Kettenbremse ausgelöst und der Motor stoppt automatisch.

Als nächstes zeigt Lars mir, wie man einen Baum fällt. Zuerst schafft er sich ausreichend Platz um den Stamm des zu fällenden Baumes. Wichtig ist es hier, sich immer mindestens zwei Fluchtwege zu schaffen. Ein Holzfäller plant genau, in welche Richtung er einen Baum fallen lassen will. Dabei spielen viele unterschiedliche Faktoren eine Rolle, wie Neigung, Windrichtung und Umgebung. Da man sich aber nie zu hundert Prozent sicher sein kann, ist es wichtig auch immer einen Plan B zu haben. Der nächste Schritt ist, mit der Säge in der gewünschten Fallrichtung einen sogenannten Fallkerb zu schneiden, eine Art zweiseitigen Einschnitt in den Stamm. Von der anderen Seite wird anschließend waagerecht gesägt, um dann mithilfe von Keilen den Baum zum Fallen zu bringen. Bei Lars sieht das alles sehr einfach aus und der Stamm landet genau da, wo er landen soll. Als nächstes darf ich es selbst versuchen.

Mein Baum ist kein ausgewachsener Riese, sondern nur knapp acht Meter hoch. Lars zeigt mir, dass ich das Gewicht der Kettensäge immer irgendwo abstützen soll, sei es der Stamm oder meine Hüfte, um so besser arbeiten zu können. Während ich noch etwas zögerlich die einzelnen Schritte durchgehe, steht er ein paar Meter dahinter und passt auf, dass ich mir nicht aus Versehen den Arm absäge. Bald fällt aber auch dieser Baum zu Boden, und ich kann grinsend den Motor abstellen. (Eine kurze Anmerkung: In Norwegen braucht man keinen Kettensägenführerschein wie in Deutschland).

Die meiste Zeit verläuft so, dass Lars die gewaltigen Bäume fällt, und ich diese dann von den Ästen befreie, was teilweise schwerer ist als man denkt. Nach kurzer Zeit habe ich mich an die Arbeit mit der Kettensäge gewöhnt und werde auch immer besser. Tatsächlich ernten wir ein paar richtige Giganten, die beinahe 140 Jahre alt sind. Ein bisschen seltsam ist das Gefühl schon, eine Arbeit nach so vielen Jahren des Wartens zu beenden, immerhin wurden diese Bäume für genau diesen Zweck gepflanzt.

Am Ende des Tages sind Lars und ich geschafft, aber zufrieden. Ich beschließe, ab sofort auf jede meiner Bewerbungen „Basic chainsaw skills“ zu schreiben – eine Fähigkeit, von der ich nie gedacht hätte, dass ich sie mal haben würde, die ich aber um keinen Preis wieder hergeben möchte.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s