Helden im Eis

Für alle die es bis jetzt noch nicht gemerkt haben: ich liebe Museen. Ich liebe es, neue Dinge und Geschichten zu entdecken und Themen von unterschiedlichen Standpunkten aus zu betrachten, um die Welt etwas besser verstehen zu können. Kein Wunder also, dass ich bei dem Satz „eines der besten Museen Norwegens“ neugierig werde. Es dauert etwas, bis ich mit dem Bus am Museum ankomme. Von außen sehen die beiden großen, spitz zulaufenden Gebäude nicht wirklich beeindruckend aus. Trotzdem zahle ich die 120 Kronen Eintritt und betrete das Fram Museum. Ich kann es nicht anders sagen: Mir verschlägt es buchstäblich den Atem.

Nachdem man im Kino einen kurzen Crashkurs in der Geschichte der Polarforschung bekommt, kann man auf mehreren Etagen verschiedene Ausstellungen zum Thema erkunden. Dabei wird einem auch direkt klar, warum die Häuser diese eigenartige Form haben – in ihrem Inneren verbergen sich zwei der wohl berühmtesten Schiffe der Welt. Die Fram, welche für drei wichtige Polarexpeditionen genutzt wurde und bis heute das einzige Holzschiff ist, welches jemals in so hohen Breitengraden unterwegs war, und die Gjøa, das erste Schiff das je die Nordwestpassage durchquerte. Das beste daran: Beide sind für Besucher zugänglich.

Während ich an Deck der Fram die Nordlichter betrachte, in ihrem Inneren mehr über das Leben auf einer arktischen Forschungsreise erfahre und auf den unterschiedlichen Ebenen über die arktische Forschung im Wandel der Jahre lese, lerne ich auch viel über die Personen hinter den Expeditionen. Einer dürfte so ziemlich jedem bekannt sein. Roald Amundsen, der unter anderem den berühmten Wettlauf zum Südpol gegen Robert F. Scott gewann. Doch so interessant sein Leben auch ist, ein anderer Forscher beeindruckt mich mehr.

Fridtjof Nansen ist einer der größten Männer, die Norwegen je hervorgebracht hat und war bereits zu Lebzeiten eine Legende. Der 1861 geborene Norweger überquerte er mit nur 27 Jahren Grönland auf Skiern, was zu dieser Zeit als nahezu unmöglich betrachtet wurde. Nur fünf Jahre später segelte er mit der Fram durch die arktische Polarregion und half maßgeblich dabei, neue Forschungsergebnisse in Zoologie und Ozeanographie zu erlangen. Er war hoch gelobter Wissenschaftler, Abenteurer und Forscher. Nachdem Norwegen unabhängig wurde, verließ er das Eis für die Diplomatie und arbeitete als Botschafter in London. Als der erste Weltkrieg endete, lag seine Aufmerksamkeit vor allem bei Menschen in Not, denn Menschlichkeit sollte seiner Meinung nach immer über politischen Interessen stehen. Für sein Engagement erhielt er 1922 den Friedensnobelpreis, und bis heute wird der Nansen-Flüchtlingspreis verliehen. Fridtjof Nansen starb 1930, doch in den Jahren zuvor hat er bleibende Spuren hinterlassen. Die Personifikation eines Helden.

Während ich durch das Museum laufe und mehr und mehr über Nansen erfahre, zeichnet sich für mich ganz klar das Bild eines Mannes ab, der den Mut, den Willen und die Stärke hatte, bestehende Theorien in Frage zu stellen und Herausforderungen anzunehmen, und das nicht aus Beweggründen wie Geld oder Macht. Im Laufe seines Lebens stieß er immer wieder auf Hindernisse oder bis dato feststehende Tatsachen, doch er war bereit, zu lernen,zu verstehen und auch seinen Blickwinkel zu verändern. Nansen lebte zu einer Zeit, die genau so einen Mann wie ihn brauchte, eine Zeit, in der Helden nicht mehr in glänzenden Rüstungen gebraucht wurden, sondern im Gewand von Forschern und Abenteurern.

Als ich am Ende des Tages das Fram Museum verlasse, bin auch ich von dessen Großartigkeit überzeugt. Ich habe aber nicht nur viel Neues gelernt, sondern auch neue Vorbilder gewonnen. Egal ob man Amundsen, Nansen oder einen der anderen Helden der Polarforschung ansieht, jeder von ihnen hat unglaubliche Dinge vollbracht und der Menschheit ein Stück weiter geholfen. Und jeder von ihnen zeigt uns auch heute noch, was man erreichen kann, wenn man den Mut dazu hat.

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