Ein Ort für Menschen

Von allen Hauptstädten, die ich bisher besucht habe, gefällt mir Stockholm am Besten. Keine Ahnung woran es liegt, aber irgendwie mag ich dieses Pulsieren, dass durch die Straßen verläuft. Ich weiß nicht, wie ich es besser beschreiben kann als mit dem rhythmischen Atmen einer Stadt, die von Anfängen erfüllt ist. Am ersten Tag laufe ich praktisch nur durch die Stadt, schlendere durch die schönen Straßen Östermalms mit seinen teuren Appartements, zwänge mich durch die Massen an Touristen in Gamla Stan und genieße eine traditionelle Fika in einem schicken Café in SoFo, dem Hipsterviertel.

Am Besten ist aber, dass ich unglaublich viele Leute kennenlerne. Schon am Bahnhof treffe ich ein deutsches Paar, das gerade auf der Rückreise nach Berlin ist und unterhalte mich eine ganze Weile mit ihnen. Zum Mittagessen treffe ich mich mit einem professionellen Marathonläufer in einem chinesischen Restaurant und unterhalte mich mit ihm über seine Karriere. Irgendwie ende ich auch zwischenzeitlich in einem Irish Pub, wo ich mit zwei Amerikanern, einer Schweizerin und einem Australier bei einem Bier über die Politik in unseren Heimatländern diskutiere. Am Ende des Tages darf ich zur Krönung auch noch bei einem sehr netten publizierendem Autoren übernachten, der nebenbei bemerkt hervorragende Spaghetti mit Sahne-Pilz-Soße macht. All diese Menschen hauchen Stockholm Leben ein und machen meine Zeit dort zu etwas ganz Besonderem.

Zwei besondere Damen habe ich nicht persönlich getroffen, bin aber auf ihren Spuren in Stockholm gewandelt. Zuerst Königin Christina von Schweden – eine der außergewöhnlichsten Königinnen, die die Welt wohl je gesehen hat. Das 17. Jahrhundert ist nicht gerade als Zeit der Emanzipation bekannt, trotzdem hatte Christina den Mut, selbstbestimmte und oft auch unpopuläre Entscheidungen zu treffen. Sie förderte nicht nur Kunst und Kultur in ihrem Land, sondern entschied sich auch ihr Leben lang gegen eine Heirat und soll auch eine Präferenz zu Männerkleidung gehabt haben. 1654 gab sie ihre Regentschaft ab und konvertierte kurz darauf sogar zum Katholizismus, was einen großen Bruch mit dem protestantischen Schweden bedeutete. Ihr Leben lang war sie als Frau bekannt, die ihren eigenen Willen hatte und nicht davor scheute, diesen auch durchzusetzen.

Diese Geschichte klingt nach Hollywood-Material – und vielleicht kennen einige von euch sogar den Film „Königin Christine“ von 1933, in dem Christina von niemand geringerem als Greta Garbo portraitiert wurde. Tatsächlich hat auch ihre Geschichte in Stockholm angefangen. Das Mädchen aus der Arbeiterklasse wurde im schwedischen Warenhaus PUB als Darstellerin entdeckt, wo sie arbeitete um das Familieneinkommen aufzubessern. Anfangs sprach Garbo zwar kein Englisch, doch das war in der Stummfilmära kein Problem. Schließlich schaffte sie ihren Durchbruch in Hollywood und war zwischenzeitlich eine der am Besten bezahltesten Schauspielerinnen: vom Tellerwäscher zum Millionär in der schwedischen Version. Mit der Zeit änderte sich Hollywood, und Garbo schaffte nie den richtigen Wandel mit der Zeit. 1942 löste sie ihre Schauspielkarriere vollkommen auf und war danach auch nie wieder auf der Leinwand zu sehen.

Genau das ist die Magie, die die Hauptstadt Schwedens umgibt. Eine ganze Menge Geschichten sind mit den Straßen und Gassen verwoben. Egal ob man an diese beiden Damen denkt, an den bis heute ungeklärten Mord an Olof Palme oder die märchenhafte Liebesgeschichte zwischen Kronprinzessin Victoria und ihrem ehemaligen Fitnesstrainer Daniel – Stockholm ist ein Ort für Menschen, und es ist ein Ort für ihre Geschichten.

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