Ein Löffelchen voll Zucker

Reisen ist teuer. Es gibt keinen Weg, um das schön zu reden. Wer etwas von der Welt sehen will muss dafür blechen, und auch ich bin nur in der Lage so lange zu reisen, weil ich schon lange dafür gespart habe und immer wieder für Essen und Unterkunft arbeite. Und ohne die Hilfe vieler großartiger Menschen wäre ich wahrscheinlich sowieso nie so weit gekommen.

Gerade deshalb ist es wichtig, den Überblick über die eigenen Finanzen zu behalten. Noch in Dänemark schaue ich deshalb immer wieder meinen Kontostand an und denke nach, denn auf meiner Reiseroute liegt Hamburg. Und wenn es eines gibt, wofür Hamburg bekannt ist, dann ja wohl Musicals (und leichte Preisabweichungen beim Bau von Philharmonien – aber davon redet seit der Fertigstellung ja niemand mehr).

Die ganze Idee kam vom Kreditinstitut meines Vertrauens. Kurz nach Weihnachten bekam ich eine Mail in der stand, Mitglieder bekämen bei der Buchung ausgewählter Veranstaltungen bis Ende Dezember 20% Rabatt. Unter den Angeboten befand sich auch ein Musical, das ich schon lange sehen wollte: Mary Poppins! Schon vor Monaten hatte ich mit einer sehr guten Freundin darüber geredet, nach Hamburg zu fahren und das Musical zu sehen, immerhin waren wir beide riesige Fans des Films und haben regelmäßig die Lieder sehr schräg und laut mitgesungen (ich schätze mal unsere Nachbarn können das bestätigen). Am Ende haben wir uns dagegen entschieden, es war uns einfach zu teuer.

Auch mit Rabatt kostete die Karte für mich noch über 100 Euro. Verdammt viel Geld für jemanden, der seit Monaten nur Ausgaben hat. Nach einigem Hadern habe ich mich dann aber dafür entschieden – so eine Gelegenheit kommt nicht so schnell wieder, und wenn ich sowieso in Hamburg bin, wieso nicht? Als das Geld abgebucht wurde, habe ich trotzdem geschluckt.

Wenige Wochen später bin ich auf der Fähre zum Stage Theater. Auf diesen Moment freue ich mich schon seit gefühlten Ewigkeiten, und ich habe einen guten Platz erwischt. Und ich werde nicht enttäuscht: Die Vorstellung ist großartig, die Schauspieler erwecken eine meiner liebsten Geschichten gekonnt zum Leben, und als Mary am Ende mit ihrem Regenschirm über das Publikum fliegt, bin ich mehr als begeistert. Ich kann jedem nur empfehlen, sich das Musical selbst anzusehen.

Der Grund warum ich all das erzähle ist aber nicht, weil ich Werbung für Stage Entertainmant machen will (ehrlich Leute, ihr seit zwar gut, aber zu teuer). Ich will damit sagen, dass man manche Chancen nur einmal bekommt. Geld zu haben ist klasse, aber Erfahrungen sind viel mehr wert. Wenn wir immer auf den richtigen Zeitpunkt warten, dann verpassen wir ihn am Ende. Meine Großeltern haben immer von all den Reisen geredet, die sie im Alter noch machen wollten. Inzwischen ist mein Großvater tot, und meine Großmutter schafft es gerade so aus ihrer Wohnung und zurück. Sie hatten so viel vor, und jetzt ist es zu spät. Es wird immer Hürden geben, und man findet immer tausend Ausreden, um etwas nicht zu tun – es ist zu weit weg, zu verrückt, zu teuer. Ich kann das auch immer noch später machen. Und aus später wird nie.

Ich denke was ich sagen will ist, dass man nie vergessen sollte, dass die Zukunft zwar großartig zum Planen ist, aber die einzige Zeit die wir jemals wirklich beeinflussen können ist die Gegenwart. Tut euch selbst den Gefallen und nutzt, was ihr habt, wenn ihr es habt. Das Leben ist kurz – vergiss nicht das Löffelchen voll Zucker.

2 Antworten auf “Ein Löffelchen voll Zucker”

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