Na Zdrowie!

Ich weiß nicht, wie ich mir meinem Besuch in Posen vorgestellt hatte, aber bestimmt nicht so.

Ich bleibe nur für eine Nacht, und um ganz ehrlich zu sein ist das für eine Stadt wie Posen auch vollkommen ausreichend. Meine Gründe für die Reise hierher sind sogar mir schleierhaft, denn ich hatte vorher noch nie von der Stadt gehört. Es gibt hier ein schönes Stadtzentrum, aber das war es dann auch soweit.

Nachdem ich meinen Gastgeber kennengelernt habe, machen wir uns auf den Weg in besagtes Stadtzentrum. Mir wurden „die besten Pfannkuchen Polens“ versprochen, und ich werde nicht enttäuscht. Meine schwarzen Pfannkuchen in spanischer Art sind wirklich sehr lecker, auch wenn wir dafür eine halbe Stunde lang vor dem Restaurant anstehen mussten. Als wir unsere Pfannkuchen gegessen haben, lädt mein Host mich in eine Brauerei ein, wo es angeblich das beste Craftbeer gibt. Egal, was er mir zeigen will, alles ist „das Beste“, was ich ziemlich witzig finde.

Normalerweise trinke ich nicht so viel Bier, aber mein „Hot Spiced Honey Beer“ schmeckt wirklich gut und erinnert mich mehr an Tee – nachdem ich das erste getrunken habe, bestelle ich direkt ein zweites. Für gute vier Stunden bleiben wir einfach in der Brauerei und unterhalten uns. Und eigentlich dachte ich, das wäre das Ende des Abends.

Eines sollte ich vielleicht klarstellen: ich bin nicht wirklich die große Partygängerin (Überraschung!), und auch was Alkohol angeht bin ich eigentlich immer sehr zurückhaltend. Hätte mein Host mich gefragt, ob ich mit ihm Feiern gehen will, hätte ich höchstwahrscheinlich abgelehnt. Aber so rutschen wir irgendwie in die ganze Sache hinein, und aus meinem Abend in Posen wird eine ausgewachsene polnische Kneipentour.

Nach der Brauerei besuchen wir eine polnische Karaokebar. Man kann sie sich in etwa so vorstellen wie eine deutsche Karaokebar: viele Betrunkene, die sich zwar nicht kennen, aber Arm in Arm Volksmusik und den Titelsong von Pocahontas in ein Mikrofon brüllen – nur eben auf Polnisch. Genau das ist auch meine Ausrede (ich kann ja leider kein Polnisch, hust hust). Als dann aber die Backstreet Boys aufgelegt werden, lasse sogar ich mich dazuhinreißen, ein paar Zeilen mitzusingen. Was soll ich sagen: I want it that way!

Als nächstes werde ich in einen zuerst sehr klein aussehenden Club geschleppt, der Rockmusik spielt. Klein scheint er aber nur, bis man herausfindet, dass sich ein Großteil der Räumlichkeiten unterirdisch befinden. Auf einer vernebelten Tanzfläche wird sehr laut polnischer Rock gespielt, und nach einer Weile kommt sogar von mir der Vorschlag, auch etwas zu tanzen (spätestens hier glauben alle die mich kennen, dass ich lüge). Ich hatte immer gedacht, dass ich etwas Schickes tragen würde, wenn ich zum ersten Mal in einem Club feiern gehe. Naja, ich denke, mein viel zu großer roter Abschlusspullover mit den Farbflecken vom Streichen und meine mit Betonstaub verdreckten Wanderschuhe tun es auch.

Bevor wir uns auf den Heimweg machen, besuchen wir noch eine Bar mit 60-Jahre Thema und bestellen uns mehr Bier. Hier bleiben wir aber nur kurz, und als wir um halb fünf morgens nach Hause kommen, holt mein Host eine Flasche selbst gebrannten polnischen Schnaps aus dem Schrank. So viel Alkohol wie an diesem Abend habe ich in meinem ganzen Leben insgesamt noch nie getrunken.

Natürlich bin ich aber nicht völlig bescheuert und hatte auch Chemieunterricht in der Schule, weshalb ich irgendwann anfange, gegen den Kater am nächsten Morgen zu arbeiten. Denn egal wie viel ich getrunken habe, ich weiß, dass mein Bus um 12 mit oder ohne mich abfahren wird. Für jeden Shot trinke ich ein Glas Wasser, und irgendwie schaffe ich es, mitten in der Nacht eine Packung Lebkuchen aufzutreiben und zu essen (ich glaube, die Frage wo ich den Lebkuchen her habe, ist und bleibt das größte Mysterium). Trotzdem bin ich am nächsten Tag überrascht, als ich nicht nur pünktlich aufwache, sondern es mir auch super geht.

Ganz im Gegensatz zu meinem Gastgeber. Als ich ihn wecke, sieht er ziemlich fertig aus. Ein überraschter Ausdruck legt sich auf sein Gesicht, als er sieht, dass ich fertig gerichtet und abfahrtbereit vor ihm stehe. Ich muss lachen, und in meinem Übermut schnappe ich mir zwei der noch gefüllten Shots, die neben seinem Bett auf dem Tisch stehen. Einen drücke ich ihm in die Hand, den anderen trinke ich selbst aus, bevor ich mich mit einem Zwinkern verabschiede und zur Tür hinaus gehe. Na Zdrowie!

PS: Ich entschuldige mich für das furchtbare Titelbild – ich bin betrunken einfach keine gute Fotografin.

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