Liebe geht durch den Magen

Ich denke, ich kann es offiziell machen: ich habe mich verliebt. Für mich war es Liebe auf den ersten Blick: Als Kama mich in Stettin herumgeführt hat, stand auch ein typisch polnisches Mittagessen an. In dem kleinen Restaurant habe ich mich dann unsterblich in die traditionellen gefüllten Teigtaschen verliebt: Pierogi.

Von „Pierogi Ruskie“, die mit gestampften Kartoffeln und weißem Käse gefüllt sind, bis hin zur süßen Variante mit Früchten und Vanillesoße: die kleinen Taschen kann man einfach mit allem füllen. Ich probiere sie in möglichst vielen Varianten, bis ich mich in Warschau endlich zu einem Pierogi-Kochkurs anmelde und aus meiner Verliebtheit eine feste Beziehung wird.

In dem gemütlich eingerichteten Restaurant werde ich schon von Maria erwartet, die mit der polnischen Speise aufgewachsen ist und mir heute beibringen will, wie ich sie selbst herstellen kann. Maria hat in einem Nebenzimmer schon alles vorbereitet und sieht mir ihrer Schürze mehr als professionell aus. Sie gibt mir ebenfalls eine Schürze und weißt mich an, das Mehl für den Teig abzuwiegen. Bereits beim Kneten wird mir klar, dass Pierogi herstellen keine einfache Arbeit ist, und nachdem ich mehrere Minuten lang den Teig bearbeite bin ich mir sicher, dass polnische Großmütter unschlagbar im Armdrücken sein müssen.

Nachdem der Teig endlich schön geschmeidig ist, muss er unter einer Schüssel ruhen. Währenddessen erzählt Maria mir mehr über die Geschichte hinter den Teigtaschen, welche Varianten es gibt und warum die „Pierogi Ruskie“ eigentlich gar nichts mit Russen zu tun haben. Bei uns gibt es heute eine Füllung aus Rindfleisch und Gemüse. Besonders gut sind Pierogi, um die Reste vom Vortag zu verarbeiten, weshalb die Zutaten heute schon vorgekocht wurden.

Schneller als gedacht ist der Teig bereit zum Ausrollen, und ich muss versuchen, ihn so dünn wie möglich zu bekommen. Als nächstes stechen wir große Kreise aus, in deren Mitte dann immer etwas Füllung kommt. Jetzt kommt der schwierige Teil: das Falten.

Die erste Version, die Maria mir zeigt, wird in der Mitte gefaltet und zusammengedrückt, um dann die beiden Enden nach innen zu falten. Hier ist Fingerspitzengefühl gefragt, und ich muss schon fast lachen als Maria mir sagt, dass das noch eine der einfachen Varianten ist.

In anderen Varianten wird der Rand „gekniffen“, dann kann man ihn noch mit einer Gabel zusammendrücken oder kleine Schweineohren falten. Letztere sind typisch für die polnische Weihnachtssuppe, und sie sehen wirklich aus wie kleine Öhrchen. Die schwierigste Variante ist gleichzeitig auch die Schönste: von einer Seite zur anderen wird der Rand in kleine Falten gelegt, was richtig kompliziert sein kann. Meine ersten Exemplare sehen nicht sonderlich gut aus, aber nach ein paar Versuchen kann ich dann doch ein paar gute Pierogi herstellen.

Nachdem wir fast zwei Stunden lang die Pierogi gemacht haben, kommt der Moment der Wahrheit: die Geschmacksprobe. Ich darf an einem Tisch im Restaurant meine eigenen polnischen Teigtaschen probieren. Wie cool ist das denn? Und sie schmecken fantastisch! Von allen Pierogi, die ich in Polen schon gegessen habe, sind diese mit Abstand die Besten. Wir haben sogar so viele gemacht, dass ich eine ganze Portion mitnehmen kann.

Ich für meinen Teil kann es gar nicht erwarten, für meine Familie zu Hause traditionelle Pierogi zu machen. Es macht zwar einen Haufen Arbeit, aber ich finde, es ist die Mühe wert. Merkt euch trotzdem: wenn jemand für euch Pierogi macht, dann bedeutet ihr dieser Person sehr viel! Liebe geht eben doch durch den Magen…

 

Falls einer von euch nach Warschau kommt und auch lernen möchte, wie man die leckeren Teigtaschen herstellt, kann ich euch Marias Kochkurs nur wärmstens empfehlen. Wahrscheinlich eines der besten Restaurants in Warschau, ganz egal ob man den Kochkurs belegt oder dort nur zu Mittag isst!

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