Hey Prague, Czech Me Out!

Prag ist… genau so, wie alle es mir beschrieben haben. Bier und gute Geschichten, anders als andere Hauptstädte Europas. Vor allem wenn man die Geschichte Prags ansieht macht es Sinn, dass der Name Prag vom Tschechischen „práh“ kommt, was übersetzt „Türschwelle“ bedeutet. Der Legende nach fanden die Gründer der Stadt an dieser Stelle einen Mann, der gerade die Türschwelle zu seinem Haus baute und entschieden sich dazu, die Stadt so zu nennen. Ob die Geschichte wirklich stimmt ist fraglich, aber das Wort beschreibt die Stadt hier sehr gut: eine Schwelle zu etwas Anderem.

Voll von Touristen und beinahe noch mehr Menschen, die einen über den Tisch ziehen wollen. Ich besuche einen Club und stelle erst am nächsten Tag in einem Gespräch mit einem Einheimischen fest, dass ich fast das doppelte an Eintritt bezahlt habe, nur weil ich mit meinem Englisch ganz offensichtlich nicht von hier komme. Wie man die Touristenfallen erkennt? Ganz einfach: wenn das Bier mehr kostet als das Wasser. Kein Witz. Der Bierkonsum pro Kopf betrug in der Tschechischen Republik im Jahr 2017 etwa 138 Liter – 33 Liter mehr als die Zweitplatzierten aus Österreich!

Entsprechend dem Bierkonsum ist die Stadt rund um die Uhr ziemlich „wach“ – der einzige Unterschied zwischen Nachmittag und drei Uhr morgens ist die Dunkelheit, denn die Masse an Menschen ist dieselbe. Egal ob Rentnerpaar oder partywütige Studentengruppe, hier treffen alle aufeinander und kaufen fröhlich Kühlschrankmagneten und Schornsteinkuchen an den vielen Ständen an jeder Straßenecke. Und wenn man seine Souvenirs nicht unbedingt auf dem Wenzelsplatz kauft, ist alles hier zudem noch irrsinnig günstig. Mein Hostel kostet 5€ pro Nacht, und für denselben Preis kann man ein richtig gutes Essen mit Dessert bekommen. Kein Wunder das hier so viele Studenten sind.

Meine Must-See-Liste ist ziemlich lang, und wie ich am Ende des Trips auch feststellen werde: zu lang. Karlsbrücke, Wenzelsplatz, Prager Burg, Goldenes Gässchen, Veitsdom, jede Menge Kirchen und Plätze, deren Namen ich nicht mal aussprechen kann. Unmöglich, all das in einen Kurztrip zu stecken, ich hätte wahrscheinlich auch nach einem Monat nicht alles gesehen. Ich versuche mich deshalb auf das wesentliche zu konzentrieren: die Menschen. Nach meinem Burlesque-Abenteuer trinke ich Tee mit einem Stadtführer aus Israel, teile zwei Flaschen Wein mit zwei Pärchen aus zwei verschiedenen Regionen Tschechiens (wir konnten uns bis heute nicht einigen, welche Region den besten Wein anbaut), und unterhalte mich sieben Stunden am Stück mit einer Lady im Bademantel.

Am Ende meiner Reise muss ich feststellen, dass es wahr ist was man über Prag sagt: Es ist die Stadt der Magie. Jede Geschichte hier hat zwei Seiten: eine rationale und eine symbolische. Das was ist verschwimmt hier sehr leicht mit dem was sein könnte. Wer sagt, dass die Überlebenden des Prager Fenstersturzes nicht von Engeln gerettet wurden? Oder das es wirklich ein Fluch war, der das Attentat auf Reinhard Heydrich zum einzigen erfolgreichen Mordkomplott gegen einen führenden NS-Funktionär machte? Prag ist eine Türschwelle. Wer weiß schon, welche Seite der Wahrheit entspricht?

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s