I’m Back!!!

Ein kurzer Blick auf die Weltkarte und schon ist klar, das Prag gar nicht so weit weg ist von Deutschland… genauer gesagt von Thüringen… noch genauer gesagt, von meinen Großeltern! Das denke ich, als ich ein Busticket nach Gera kaufe. Meinem Opa erzähle ich erst Mal nichts davon und rede am Telefon lang und breit davon, dass ich schon ein Ticket nach Wien gekauft hätte, und was ich dort alles machen will, und blablabla. Am Ende frage ich möglichst unauffällig nach: „Und was habt ihr morgen so vor?“ „Nichts besonderes“, ist die Antwort. Perfekt.

Bereits um halb sechs morgens mache ich mich auf den Weg. Am frühen Nachmittag komme ich in Gera an. So weit so gut, meinem Plan nach müsste ich jetzt einen Zug nehmen und dann nochmals einen Bus. Ein langer Weg, aber so ist das eben wenn die Familie auf dem Land lebt. Das ich bei diesem Plan aber nicht an die Zuverlässigkeit der Deutschen Bahn gedacht habe, ist ein blutiger Anfängerfehler. Der Zug fällt aus, stattdessen muss ich einen Bus nehmen, der mich in die nächste Stadt bringt, von wo aus ich nach nur drei Stunden Wartezeit endlich einen anderen Bus zu meinen Großeltern nehmen darf. Ich könnte natürlich auch einfach meine Oma anrufen und fragen, ob sie mich mit dem Auto abholt, aber dafür bin ich zu stur. Das hier sollte eine Überraschung werden – also laufe ich lieber drei Stunden lang im Kreis und warte.

Als ich gegen Abend endlich vor dem großen Eisentor stehe und die Klingel drücke, bin ich ziemlich nervös. Ich kann sehen, dass das Licht im Wohnzimmer an ist, aber keiner antwortet. Ich drücke nochmals und denke daran wie bescheuert es wäre, wenn jetzt keiner aufmacht. Ich überlege schon über den Zaun zu klettern und einfach ans Fenster zu klopfen, als nach dem dritten Versuch der Vorhang desselben zurückgezogen wird und mein Opa den Kopf heraus steckt. Er erkennt mich sofort: „Ja meine Maus, was machst du denn hier!!!“

Was folgt ist eine lange und tränenreiche Wiedervereinigung. Die Überraschung ist wirklich gelungen, auch wenn Oma meint sie habe schon so was geahnt. „Hab ich doch gleich gesagt, dass die vorbei kommt. Erzähl mir doch nichts von Wien!“, sagt sie mit verschränkten Armen, schließt mich dann aber doch in die Arme. Ich kann gar nicht sagen wie sehr ich sie beide vermisst habe.

Das Gute ist, dass ich bei meinen Großeltern immer einfach ohne Ankündigung aufkreuzen kann und ein Zuhause finde. Oma richtet direkt ein Bett und fragt ob ich waschen muss, dann setzt sie sich mit Opa aufs Sofa und fragt mich über meine Reise aus. Als ich über den Blog rede, öffnet Opa stolz den Schrank und holt einen großen Ordner raus: „Wir haben alle Artikel ausgedruckt!“ Meine großen Fans – an dieser Stelle HALLO OMA UND OPA!!! (Wahrscheinlich sind sie die ersten, die das hier lesen :D)

Die nächste Zeit bleibe ich ein bisschen in Thüringen und ruhe mich aus. Es ist schon seltsam, aber nach allem was passiert ist fühle ich mich etwas außerirdisch. Das kleine Dorf ist gleich geblieben, anscheinend hat sich nur das Gesicht im Spiegel verändert… Und das ist auch kein Geheimnis. Als ich in die Bäckerei nebenan laufe, die ich seit meiner Kindheit kenne und liebe, und deren Besitzer für mich wie Familie sind, ist der erste Satz: „Na, ich hab‘ gehört du hast getrunken?“ (Schön, dass sich von all den Geschichten die ich erzähle ausgerechnet diese durchsetzt…).

Vielleicht habe ich mich ja wirklich ein bisschen verändert. Manche sagen mir, ich werde erwachsen, aber so fühle ich mich überhaupt nicht. Nur weil ich reise kann ich ja trotzdem noch besorgt sein, dass meine Eltern mein Playmobil wegwerfen während ich weg bin. Aber wenn ich bei meinen Großeltern auf der Hollywoodschaukel sitze, ist die Welt noch in Ordnung – egal wie alt ich bin.

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