Eurotrip hat gelogen

Kennt einer von euch den Film „Eurotrip“? Diesen Teenie-Film von Anfang der 2000er, in der eine Gruppe amerikanischer Studenten nach Europa geht um ein Mädchen zu suchen, und dabei in völlig irrwitzige Situationen gerät? In dem jeder Junge hoffnungslos notgeil ist und jedes Mädchen mit weniger als drei Zeilen Text sich auszieht? Keine Sorge, es ist kein Verlust den Film nicht gesehen zu haben.

Als ich am Anfang meiner Reise bei Lars in Norwegen war, haben wir neben Monty Python abends auch oft einfach Filme aus seiner Sammlung geschaut – einer davon war Eurotrip. An einer Stelle versucht die Gruppe nach Berlin zu trampen, gelangt aber durch ein sprachliches Missverständnis nach Bratislava. Verdreckte Plattenbauschluchten, die auch aus vielen Filmen über die DDR stammen könnten, betrunkene Menschen und absolut nichts was irgendwie nach Hauptstadt aussieht. Gerade als die „Helden“ des Films aufgeben wollen, da sie nur noch ein paar US-Dollar in der Tasche haben, stellt sich heraus das der Wechselkurs hier mehr als fantastisch ist.

Im nächsten Bild sieht man die Gruppe in einem schicken Hotel mit gutem Essen, im Fernseher läuft eine Werbung die mehr an einen lesbischen Porno erinnert (der Film verliert seinen Stil nicht). Als der Page ein winziges Trinkgeld bekommt, kündigt er sofort bei seinem Chef mit der Ansage, er mache jetzt sein eigenes Hotel auf. Im Film ist Bratislava zwar nicht wirklich ein sehenswertes Urlaubsziel, dafür aber der wahrscheinlich günstigste Ort der Welt.

Als ich mich auf den Weg in die Hauptstadt der Slowakei aufmache, erwarte ich nicht wirklich Eurotrip-mäßige Umstände. Aber irgendwo muss der Film ja auch mit der Wahrheit verbunden sein, oder? Plattenbau klingt zwar nicht so verlockend, aber für ein paar Groschen wie ein König zu leben schon. Mal sehen was es bringt.

Es fängt schon damit an, dass die Slowakei für mich das erste Land ist, in dem ich endlich wieder mit dem Euro zahlen kann: Dänemark, Schweden, Norwegen, Polen und Tschechische Republik haben jeweils ihre eigenen Währungen. Somit kann ich ohne komplizierte Wechselkurse im Kopf zu rechnen bereits am Bahnhof sehen, dass dieses Land hier günstig ist. Nicht „50-Cent-kaufen-dir-ein-ganzes-Hotel-günstig“, aber günstiger als Deutschland und viele andere Orte, an denen ich bisher gewesen bin.

Der zweite Punkt ist, dass Bratislava nicht mal ansatzweise so aussieht wie im Film – ein vibrierendes, buntes Stadtzentrum mit vielen Touristen und interessanter Architektur, keine grau-verdreckten Plattenbauten. Auf einer Stadtführung erfahre ich nicht nur viel interessantes über die Geschichte der Stadt und sehe coole Dinge wie ein UFO und eine Blaue Kirche, ich lerne auch dass „Eurotrip“ nicht mal in Bratislava gefilmt wurde! Die Dreharbeiten fanden anscheinend in Prag statt. Mein Weltbild ist nicht in seinen Grundfesten erschüttert, aber ein bisschen enttäuscht bin ich schon.

Am Ende habe ich eine außergewöhnlich gute (und ja, auch günstige) Zeit in Bratislava. Ich glaube, die Stadt ist als Reiseziel wirklich unterschätzt, und man kann hier gut ein entspanntes Wochenende verbringen. Vielleicht hat die Filmwelt mal wieder gelogen, aber immerhin freut man sich gleich viel mehr, wenn man positiv überrascht wird. Das Geheimnis zum Glück liegt noch immer in niedrigen Erwartungen.

2 Antworten auf “Eurotrip hat gelogen”

  1. Der Film Eurotrip soll kein Verlust sein…😅. Der Film ist einfach super wie er mit den typischen Klischees der Amerikaner ein paar Regionen Europas zeigt.

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