Rot, Weiß, Grün

Rot, Weiß, Grün – in diesen Farben erstrahlt heute nicht etwa Italien, sondern Budapest. Auf den Straßen wird gefeiert, an jeder Ecke kann man Langos und Goulasch essen, freier Eintritt in viele Museen und an jeder Ecke die Flagge. 15. März – ungarischer Nationalfeiertag.

Ich halte diesen Tag für die perfekte Gelegenheit, mehr über dieses Land und seine Leute herauszufinden und mache mich deshalb nach meiner Frühschicht auf den Weg in die Innenstadt. An allen großen Touristenattraktionen gibt es Angebote und Kurse – ich entscheide mich, zum Nationalmuseum zu gehen. Bereits von weitem kann ich die Musik und das Lachen hören. Vor dem Gebäude des Museums, welches passend zum Anlass in eine riesige Fahne gehüllt wurde, bringen Menschen in Tracht gerade Besuchern ungarische Volkstänze bei. In einem großen Kreis tanzen Frauen und Männer in Paaren um einander herum, dann wird sich wieder im Kreis gedreht. Es sieht etwas seltsam aus, wie Damen in prachtvollen Kleidern und mit Kopfschmuck jungen Männern in Shorts das Tanzen beibringen, aber Spaß haben alle.

Auf der Straße vor dem Museum sind unzählige Stände aufgebaut, die von Handwerkskunst zu traditioneller Kleidung alles anbieten, was irgendwie mit der ungarischen Kultur zusammenhängt. Und natürlich gibt es jede Menge gutes Essen! Ich kaufe mir eine Art Süßspeise, bei der eine Eisenform in Teig getaucht und anschließend in heißem Öl frittiert wird. Dadurch nimmt der gebackene Teig die geschnörkelte Form des Eisens an und schmeckt mit Puderzucker bestäubt nicht nur fantastisch, sondern sieht auch noch beeindruckend aus.

Bevor ich ins Museum gehe, stelle ich mich bei einem Fotografen an, der mithilfe einer riesigen Instantkamera kostenlose Bilder der Besucher macht. Vor mir sind hauptsächlich Pärchen und Familien, weshalb ich aus Spaß die Dame hinter mir frage, ob sie nicht ein Foto mit mir möchte. Sie sagt begeistert ja, und wir grinsen in die Kamera. Als der Fotograf fragt, ob sie meine Mutter ist, lacht die Frau nur: „Wir kennen uns eigentlich gar nicht!“

Wir beschließen, uns das Museum gemeinsam anzuschauen. Heute finden zusätzlich noch kostenlose Führungen statt, allerdings nur in Ungarisch. Wir melden uns trotzdem an, und erweitern die ohnehin schon viel zu große Gruppe um zwei Personen. Ich verstehe absolut gar nichts, am Ende wandere ich deshalb eher für mich selbst durch die Ausstellung und lese die englischen Begleittexte. Es ist trotzdem interessant, und meine Begleitung zeigt immer wieder auf verschiedene Ölgemälde an den Wänden und versucht mir in gebrochenem Englisch zu erklären, wer darauf zu sehen ist. Bevor wir uns verabschieden schreibt sie mir noch ihre Handynummer und ihre Mailadresse auf die Rückseite unseres gemeinsamen Erinnerungsfotos.

Ich kaufe mir noch einen Langos und mache mich dann auf den Weg nach Hause. Unterwegs treffe ich noch auf Livemusik, mehr Tänze und unzählige Flaggen. Zurück im Hostel zeige ich den anderen stolz mein Foto. Erst hier merke ich, dass der Name über der Handynummer ein Männername ist – wie es aussieht wollte die nette Dame mich mit ihrem Sohn verkuppeln, ich hatte sie nur nicht richtig verstanden. Wir alle müssen über dieses Missverständnis lachen, und jetzt scheint es offensichtlich warum sie mich so viel ausgefragt hatte. Naja, auch ohne ungarischen Freund war es ein schöner Tag.

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