Trinkspiele in der Postapokalypse

Budapest ist für vieles bekannt: Thermalbäder, Donau, Goulasch, Parlamentsgebäude, Burgen, und und und. Gerade der jüngeren Generation dürfte aber auch etwas anderes einfallen: Party. Nach Prag ist Budapest eine der beliebtesten Destinationen für Nachteulen und Feierwütige. Und ganz ehrlich? Man ist nicht wirklich in Budapest gewesen, wenn man nicht wenigstens einen Ruin Pub besucht hat.

Im Prinzip ist es einfach: Anfang der 2000er retteten junge Unternehmer ein altes Gebäude, das eigentlich abgerissen werden sollte. Der Plan war, eine Art Bar und Gemeinschaftszentrum zu bauen, doch anstatt das Gebäude zu renovieren, spielten sie mit der zerfallenen Art des Hauses und begannen, ihren Pub darum aufzubauen. „Szimpla Kert“ war geboren – und ein Trend auch. Nach und nach öffneten weitere Ruin Pubs, die das Sonderbare und Schräge zellebrieren. Heute sind die Ruin Pubs fester Bestandteil der Kultur in Budapest, und das zu Recht. Unser Hostel hat das Glück, nicht mal zehn Gehminuten von ein paar der besten Ruin Pubs der ganzen Stadt entfernt zu sein. Die anderen gehen meistens ins „Instant“, welches eher einem Club gleicht. Ich bevorzuge „Szimpla Kert“, den ersten und besten Ruin Pub. Kein Wunder also, dass wir sehr, sehr oft ausgehen.

Bereits wenn man einen Ruin Pub betritt merkt man, dass man in keiner gewöhnlichen Bar ist: es sieht ein bisschen aus wie eine Mischung aus Sperrmüllkippe und Kunstgalerie. Von der Decke hängt ein Fahrrad, darum sind bunte Lichterketten gewickelt, die aus einem zerbrochenen Röhrenfernseher zu klettern scheinen. Pflanzen wachsen aus alten Schuhen, Plakate tapezieren Wände und Gegenstände, alles sieht aus als hätte eine Bombe in einen Umzugslaster eingeschlagen. Gegen die Logik scheint hier die Norm zu sein, und es funktioniert: man fühlt sich ein bisschen, als würde man nach der Apokalypse etwas trinken gehen.

Und was darf nicht fehlen, wenn man Trinken geht? Trinkspiele. Ich weiß nicht, wer es zuerst vorgeschlagen hat, aber seitdem spielen wir jedes Mal, wenn wir ausgehen, dasselbe Spiel: „Oktopussi“. Wie alle Trinkspiele ist es nüchtern sehr einfach, wird dann mit zunehmendem Alkoholpegel schwieriger und lustiger und irgendwann bricht man ab weil es zu kompliziert ist. Das Spiel geht so: Man zählt reihum bis 20, wobei man anstatt der Nummern 8 und 16 „Oktopussi“ sagen muss. Nach jeder erfolgreichen Runde wird dann eine neue Regel eingeführt, die sich die Person, die zuletzt an der Reihe war ausdenken kann. Vorgaben gibt es dabei nicht, und besonders lustig ist es, wenn man in internationalen Gruppen wie unserer Regeln erstellt: „Sage deine Nummer in deiner Muttersprache“. Verwirrung vorprogrammiert!

Aber auch ohne wilde Partys und Trinkspiele kann man Ruin Pubs genießen. Einfach nur ein Bier trinken und die Atmosphäre auf sich wirken lassen ist manchmal ja auch schon genug. Zudem bieten viele der Ruin Pubs auch andere Angebote, wie Bauernmärkte tagsüber, schicke Restaurants im selben, aber etwas gehobeneren Stil oder Filmvorführungen auf einer Leinwand. Egal was man möchte, es ist für jeden was dabei. Und Budapest ohne Ruin Pubs wäre eben nicht Budapest.

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