Bee Happy :)

Gemächlich rumpelt der Bus über holprige Landstraßen. An scheinbar zufällig gewählten Stellen hält er, Leute steigen ein und aus. Ich muss bis ganz ans Ende mitfahren, in ein kleine Städtchen namens Veliko Gradiste. Dort wartet schon mein zukünftiger Boss auf mich, denn ich bin mal wieder auf dem Weg zu einem Job – und dieses Mal freue ich mich ganz besonders, denn es geht ums Imkern.

Dragan ist Gastfreundlichkeit in Person: Nachdem der hochgewachsene Serbe mich am Busbahnhof abgeholt hat, ist einer der ersten Sätze die er zu mir sagt: „Du kannst drei Tage lang als Gast in meinem Haus bleiben, danach gehörst du zur Familie!“ Er ist eine unglaublich soziale Person, das merkt man sofort. Fast während der ganzen Autofahrt erzählt er mir von seiner Arbeit, seiner Frau, seinen Hunden, seinem Leben. Und alle Geschichten sind interessant, weshalb ich gerne einfach nur zuhöre.

An meinem ersten Tag in dem kleinen Dorf, welches in den kommenden Wochen mein Zuhause darstellen wird, ist es schon zu spät um zu arbeiten. Dafür beginnt der nächste Tag direkt um acht: noch vor dem Frühstück ist es meine Aufgabe, die Hühner zu füttern und die Eier einzusammeln, neues Feuerholz ins Haus zu schaffen und die Hunde aus ihrem Zwinger zu lassen. Schulz und Inga, die beiden deutschen Schäferhunde, sind jedes Mal überglücklich wenn ich sie morgens holen komme. Ein bisschen hinter den Ohren kraulen, dann geht es rein zum Frühstücken, denn ich will ja auch noch mit den Bienen

Dragan hat über 100 Bienenvölker, die in einem Garten etwas abseits seines Hauses leben. So oft es geht nimmt er mich mit uns zeigt mir, wie ein Bienenstock aufgebaut ist, wie die Bienen arbeiten und wie ein Jahr mit Bienen abläuft. Im Moment befinden wir uns im Frühling, weshalb die noch winterfesten Bienenstöcke wieder geöffnet und aufs Schwärmen vorbereitet werden. Bis die ersten Akazien blühen (die Sorte Blüten, die Dragan dieses Jahr gerne zu Honig verarbeitet haben möchte), muss deshalb noch eine Menge vorbereitet werden. Hier komme ich ins Spiel: in den nächsten Tagen ist meine Hauptaufgabe, neue Rahmen zu bauen und alte zu reinigen.

Bevor ein Rahmen in den Bienenstock kann, muss er zuerst aus den hölzernen Teilen zusammengesteckt und geklebt werden, bevor man ihn mit Draht bespannen kann. Dieser Teil ist besonders schwierig, weil man eine Menge Fingerspitzengefühl braucht. Am Anfang zerreiße ich eine Menge Draht, aber nach kurzer Zeit habe ich den Dreh raus. Am Ende wird mithilfe einer Batterie eine Platte vorgeprägtes Bienenwachs auf den Draht geschmolzen. Theoretisch würden die Bienen auch selbst das Wachs produzieren, aber so erspart man ihnen Arbeit und garantiert durch die Prägung, dass die Waben alle dieselbe Größe haben. Das beeinflusst letztendlich auch die Größe der Bienen – desto größer die Wabe, desto größer die Biene, und umgekehrt.

Natürlich darf ich aber auch direkt mit den Bienen arbeiten, in voller Imker-Montur. Es sieht zwar ziemlich cool aus, wenn ich in dem weißen Anzug mit dem charakteristischen Hut durch die Gegend stapfe, aber bei warmem Wetter wird es ziemlich schnell heiß. Immerhin trage ich zusätzlich dicke Hosen, zwei Paar Socken und Wanderschuhe zum Schutz. Dragan arbeitet selbst oft ohne vollständigen Schutz, aber im Gegensatz zu mir weiß er auch, was er tut.

Bereits nach dem ersten Mal im Garten habe ich aber schon keine Angst mehr, denn wenn man selbst ruhig bleibt, bleiben es auch die Bienen. Es ist ziemlich schnell klar, dass ich angefixt bin: irgendwann Mal will ich selber Bienen haben. Bis dahin muss ich aber noch sehr viel lernen – Gott sei Dank bin ich dafür am richtigen Ort.

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