Mein Schwarm

Kurz bevor ich mich Serbien verlasse, steht noch ein wichtiges Ereignis bevor: das Schwärmen. Wie ich im letzten Artikel schon erzählt habe, kann sich ein Bienenvolk teilen wenn es zu groß geworden ist. Diesen Vorgang nennt man Schwärmen, und er passiert meist im Frühsommer (wenn auch die Männchen geboren werden). Weil es für den Imker sehr ärgerlich wäre, plötzlich die Hälfte seiner Bienen zu verlieren, wird der Vorgang in der Bienenzucht oft kontrolliert.

In den letzten Wochen hatte ich viele neue Rahmen für die Bienenstöcke hergestellt. Diese hatten wir den Bienen gegeben und sie so dazu gebracht, sich zu vermehren. Desto mehr Platz ein Bienenvolk hat, desto größer wird es. Als die Völker groß genug sind, richten Dragan und ich neue Bienenkästen, in die wir etwa ein Drittel der Bienen umsiedeln. Die Aktion macht die Bienen sehr nervös, deshalb ist trotz 30 Grad im Schatten und Zeitdruck ruhiges und präzises Arbeiten gefragt.

Als wir die versiegelten Kästen mit den Bienen alle ins Auto geladen haben, fahren wir ins nächste Dorf auf eine Wiese. Während Schafe mehr oder weniger desinteressiert über den Zaun zu uns hinüber schauen, stellen wir die Bienenkästen auf. Es wird langsam dunkel, und die Arbeit ist sehr anstrengend. Um den Bienen den Start zu erleichtern, haben wir ihnen Waben mit Honig in die Kästen gehängt und füttern sie zusätzlich noch mit Zuckerwasser. Schließlich ist es Zeit dafür, die Kästen zu öffnen, doch ich bleibe dafür im Auto. Dragan kennt seine Bienen besser als ich.

Am nächsten Morgen nimmt Dragan mich mit nach Belgrad, wo wir Bienenköniginnen für die neuen Völker kaufen. In einer kleinen Hochhauswohnung, die so gar nicht nach Bienenzüchtung aussieht, kaufen wir knapp 50 Bienenköniginnen. Es ist unglaublich warm, denn in der Mitte des Wohnzimmers steht ein spezieller Hitzeschrank, in dem die Königinnen noch in den Waben ruhen. Ich verstehe nichts von den Verhandlungen, aber irgendwann wird mir eine umfunktionierte Kühltruhe in die Hand gedrückt, und von diesem Moment an ist es meine Aufgabe, die Temperatur darin nicht unter 30 Grad Celsius fallen zu lassen.

Zuhause angekommen machen wir uns wieder auf den Weg zu der kleinen Wiese. Die Schafe sind immer noch da, und unsere Bienen Gott sei Dank auch (es ist gar nicht so ungewöhnlich das Bienenstöcke geklaut werden). Einige Zeit ohne ihre Königin können die Bienen verkraften, doch dann wird es eng. Während Dragan jeden Kasten einzeln richtet, warte ich am Auto mit der Wärmebox. Sobald er mir ein Zeichen gibt, bringe ich eine ungeschlüpfte Königin in einer Wollsocke, damit keine Wärme verloren geht. Innerhalb der nächsten Tage werden die Bienenköniginnen schlüpfen und bald darauf ihren Hochzeitsflug beginnen.

Einen Teil der neuen Völker wird Dragan behalten. Jedes Jahr verliert er ein paar Völker über den Winter, denn Bienen sind sehr Kälteempfindlich. Den anderen Teil will er für gutes Geld verkaufen. Ich würde ja am Liebsten eins mitnehmen, aber ein Bienenvolk im Rucksack zu halten ist wahrscheinlich keine so gute Idee. Nach diesen anstrengenden Tagen brauchen wir sowieso erst mal eins: Wochenende.

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