Rhythmus im Blut

1-2-3 und 5-6-7 und 1-2-3 und… Während ich mich abwesend frage, was eigentlich genau mit der 4 passiert ist und warum das sonst niemand hinterfragt, stolpere ich fast über meine eigenen Füße. Gott sei Dank hält mich mein Partner fest und hindert mich so am Fallen. Etwa in diesem Moment beschließe ich, dass ich einfach nicht fürs Tanzen gemacht bin.

Aber vielleicht sollte ich erst einmal erklären, wie ich in diese Situation geraten bin. Nachdem ich sehr spät abends in Aarhus angekommen bin und mich verzweifelt auf die Suche nach einer Unterkunft gemacht habe, hat sich ein Student meiner erbarmt und mich bei sich aufgenommen. Trotz der fortgeschrittenen Uhrzeit laufen wir nach meiner Ankunft noch über das Universitätsgelände und er erzählt mir mehr vom Studentenleben in Aarhus. Noch vor einer Stunde war ich ziemlich ausgelaugt, doch jetzt könnte ich wohl die ganze Nacht durch die Gegend laufen und mir seine Geschichten anhören. Irgendwann redet er darüber, dass er seit ein paar Jahren in einem Verein Mambo tanzt und morgen ein Schnupperkurs für Anfänger ist. Und obwohl ich beim Tanzen zwei linke Füße habe sage ich zu, als er mich fragt, ob ich nicht mitkommen möchte.

Am nächsten Abend bin ich nicht nur wegen des Tanzkurses nervös: Wir sind etwas spät dran und müssen uns deshalb beeilen. Als mein Gastgeber sein Fahrrad aus dem alten Schuppen hinter dem Haus holt und anschließend mit mir auf dem Gepäckträger in Richtung Tanzhalle saust, bin ich (nicht zum letzten Mal an diesem Abend) um Gleichgewicht bemüht. Tatsächlich schaffen wir es noch pünktlich und sind ein paar Minuten später mit Aufwärmen beschäftigt. Die Tanzlehrerin zeigt uns mühelos die einzelnen Übungen, eine geschmeidige Bewegung geht fließend in die nächste über. Ich sehe wahrscheinlich gerade aus wie ein sterbendes Tier.

Als es dann richtig losgeht zeigt uns der Tanzlehrer mit seiner Partnerin, wie die Grundschritte gehen. Wer an dieser Stelle nicht genau weiß, was Mambo ist: habt ihr schon mal „Dirty Dancing“ gesehen? Ganz genau. Sehr schnell, kleine Schritte, sehr nah. Es gibt nur ein Wort, das diesen Stil meiner Meinung nach richtig beschreibt: intensiv. Wir Tanzpaare stellen uns in einem Kreis um unsere Tanzlehrer auf und versuchen, die einzelnen Schritte richtig nachzuahmen. Nach jedem Abschnitt müssen die Männer zur nächsten Dame weiterrücken, damit Fairness gewährt wird. Einige können nach kurzer Zeit schon richtig gut die Grundlagen tanzen, andere (wie ich) sind schon froh, wenn sie ihrem Gegenüber nicht auf die Füße treten. Trotzdem macht es irgendwie richtig Spaß durch den Raum zu wirbeln. Und Fehler machen gehört immerhin dazu, oder nicht?

Am Ende des Abends laufen mein Gastgeber und ich nach Hause. Wir sind so lange geblieben, dass wir noch beim Abbauen geholfen haben. Wie nicht anders zu erwarten konnte ich ihm nicht ansatzweise das Wasser reichen, aber als er mir auf dem Nachhauseweg von seinen Anfangsschwierigkeiten erzählt, fühle ich mich schon gleich nicht mehr so schlecht. Schlussendlich bin ich froh, dass ich zugesagt habe. Auch wenn ich nicht wahnsinnig heiß darauf bin, weiterhin Mambo zu tanzen: Spaß gemacht hat es allemal.

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